SommerAkademie 2003 - Kurse

Folgende Kurse werden auf der Sommerakademie 2003 angeboten.

Kurs 1: Regenerative Energien - Einzige Chance..? Oder nur eine Illusion?

Wir stehen am Abgrund! Woche um Woche, Tag für Tag springen uns aus den Zeitungen und dem Fernsehen Schlagwörter, wie CO2-Emissionen, Erderwärmung, Klimawandel oder eher -katastrophe entgegen. Schreckensszenarien werden entworfen: Das Wetter wird verrückt spielen, der Meeresspiegel ansteigen und die Wüsten sich ausbreiten... Dass die CO2-Emissionen eine wichtige Rolle beim Klimawandel spielen, bestreitet kaum einer mehr.

Die Reaktion der Politik auf diese ernste Problematik ist allerdings diffus: Die einen wollen die sogenannten regenerativen Energien fördern und reden von deren Entwicklungspotential, subventionieren aber weiterhin den Kohleabbau. Die anderen sagen, dass Grüner Strom sich wirtschaftlich nie gegen Atomstrom durchsetzen könne, wohlwissend, dass auch Atomkraftwerke indirekt kräftig subventioniert werden.

Welche These stimmt denn jetzt? Sind regenerative Energien die einzige Chance, den steigenden Energiebedarf der wachsenden Weltbevölkerung zu decken, oder ist es nur eine populäre Illusion, die an technisch-ökonomischen Problemen scheitern wird?

Genau um diese Frage wird sich während des Kurses alles drehen. Was sind die Möglichkeiten regenerativer Energien heute? Und was sind die Grenzen? Wie sehen Nutzungskonzepte, z.B. Solarstrom aus der Wüste oder isländischer Wasserstoff für Europa, aus? Was sind die politischen Konzepte Deutschlands und der EU?

Fakt ist, dass fossile Energieträger, wie Kohle und Öl, langfristig knapp und daher teuer werden. Plausible Antworten, wie der Energiebedarf zukünftig gedeckt werden kann, müssen also ? CO2-Emissionen hin oder her ? gefunden werden. Spätestens dann. Gedanken dazu könnt Ihr Euch allerdings schon jetzt machen; im kommenden Sommer, in diesem Kurs.

(Andreas Ulbig)

Kurs 2: Hinter der Schlagzeile - Medien machen Meinungen

"Bild dir deine Meinung", lautet der Slogan einer bekannten deutschen Tageszeitung. In der Tat ist unsere Demokratie auf die Vermittlung durch Massenmedien angewiesen. Zeitungen und Fernsehen erhalten dadurch eine enorme Macht. Ein unbedachter Satz kann die Karriere eines Politikers beenden, ein Fernsehduell eine Wahl entscheiden. Nicht die Politiker, sondern die Medien machen die Politik, glauben viele Leute. Leben wir tatsächlich in einer Stimmungsdemokratie und geht die Macht nicht mehr vom Volke, sondern von den Medien aus? Dürfen BILD und Co schreiben, was sie wollen und gibt es überhaupt eine politische Legitimation für die ?vierte Gewalt?? Mit diesen und ähnlichen Fragen wollen wir uns in unserem Kurs beschäftigen. Wir möchten dabei die rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beleuchten und die Frage nach der ?Wahrheit? im Journalismus diskutieren.

(Sandra Voglreiter, Tobias Frank)

Kurs 3: Neurobiologie des Musikverstehens

Musik - eine große Macht über unsere Gefühle; die richtige Musik kann uns fröhlich, melancholisch, traurig, übersprudelnd vor Lebenslust zurücklassen, sie kann uns kalte Schauer über den Rücken jagen oder uns ganz ungewollt ein Lächeln abzwingen. Die "falsche" Musik kann dagegen ein großes Ärgernis sein - das zermürbende Klavierüben des Nachbarn, nicht zu sprechen von den Geigern... Warum eigentlich? In diesem Kurs will ich - durch das Anbieten geeigneter Literatur und dem gemeinsamen darüber Diskutieren - zusammen mit Euch soviel wie möglich darüber herausfinden, wie ein Mensch überhaupt hört, was Musik von Sprache und Geräusch unterscheidet und was sie in unserem Gehirn anrichtet, um diese Wirkung auf uns haben zu können. Ich wünsche mir viele Grenzgänger zwischen den Disziplinen, zwischen Kunst und Wissenschaft, Musik und Biologie, die jetzt Lust bekommen haben, einmal über den Zusammenhang zwischen dem a einer Oboe und einem Botenstoff im Nervensystem nachzudenken.

(Katharina Spalek)

Kurs 4: Kammerchor

Wer Lust an anspruchsvoller und intensiver Chorarbeit hat, ist zu diesem Kurs herzlich eingeladen: Wir werden bekannte und unbekannte Stücke zwischen Palaestrina und Pärt erarbeiten, geistlich und weltlich, a capella und vielleicht auch in Kombination mit Instrumenten. Ein weiterer Schwerpunkt und in mancher Hinsicht Ausgleich wird die chorische Vokalimprovisation sein. Und da wieder ein öffentliches Konzert geplant wird, werden unsere Proben nicht im "luftleeren" Raum stattfinden. Da wir stimmlich sicher nicht die gesamte Kurszeit singend überstehen werden, soll es auch Zusatzkost geben, die wir vorab klären werden - z. B. schlagtechnische/chorleiterische Exkurse, Reflexionen und Diskussionen über Musik (auch auf der Grundlage von Texten), Analyse von Musik (Sinn und Unsinn/Chancen und Grenzen) o. ä., je nach Wünschen der Teilnehmer. Voraussetzungen sind ein relativ schnelles sängerisches Erfassen von Noten und natürlich Chorerfahrungen. (Bei der Anmeldung bitte Stimmlage angeben.)

(Christian Stähr & Co)

Kurs 5: Kammerorchester

Eingeladen sind alle, die ein Instrument und Orchester- oder Kammermusikerfahrung besitzen. Streicher sind natürlich eine gute Grundlage und vor allem erweiterbar um diverse Bläser und Schlagwerk. Wenn sich auch "seltene" Instrumente wie Pauke, Kontrafagott, Harfe etc., Bläser sowieso und auch "Tuttischweine" unter den Streichern reichhaltig anmelden, steigen die Chancen, einen imposantes CdE-Orchester zu bekommen. Die möglichen Stücke richten sich nach der Besetzung und diese nach Eurer Anmeldung, also: Meldet Euch reichlich an! Das Akademiekonzert wird ein lohnendes Ziel sein; sicher wird es auch ein Zusammenwirken mit dem Kammerchor oder/und dem Akademiechor geben. Je nach Besetzungslage vor Ort kann es auch während der Kurszeit die Gelegenheit zum Proben in getrennten Gruppen, von getrennten Stücken und damit Kammer-/Ensemblemusik geben.

(Christian Stähr & Co)

Beide Musikkurse werden bei entsprechenden Anmeldungen parallel stattfinden können! Universell einsetzbare Kandidaten sollten sich für BEIDE Kurse anmelden, damit die Chancen für eine ausgewogene Besetzung steigen!

Kurs 6: Einfach einfache Reden reden

Rhetorik, Präsentation, Moderation ? beherrschst du schon? Kann besser werden?

Können wir üben. Mit Spontanreden über die Quadratur der Rumkugel. Vor allem wollen wir trainieren, *einfach* zu reden: erstens einfach im Sinne von gut verständlich, zweitens im Sinne von einfach ohne große Hemmungen. Perfekt wollen nicht werden, denn Perfektsein ist unsympathisch.

(Birgit Thiel)

Kurs 7: Einführung in die Beweistheorie

Eine der einfachsten mathematischen Theorien überhaupt ist die der natürlichen Zahlen ("Peano Arithmetik"). Eine sich natürlich stellende Frage ist die der Widerspruchsfreiheit dieses Systems. Obwohl dies scheinbar offensichtlich ist, wird man beim Versuch einer Begründung schnell in argumentative Schwierigkeiten kommen. Kann man denn überhaupt eine vernünftige Begründung liefern? Nun, die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, welche Argumentationsprinzipien man als "philosophisch gerechtfertigt" ansieht. Wir werden genau analysieren wie viel "Glaube" nötig ist, um eine positive Antwort geben zu können und dabei auf die Ordinalzahl ε0=min{α|α=ωα} stoßen. Natürlich werden wir das Prinzip der transfiniten Induktion bis zu dieser Ordinalzahl (also in gewisser Weise ihre Existenz) auch beweisen - und uns dabei nur geringfügig über die Arithmetik hinausbewegen. Auf dem Weg zu dieser Analyse werden wir außerdem zahlreiche grundlegende Techniken und Resultate der mathematischen Logik kennen lernen. Unter anderem wird dieser Kurs zeigen, was es nun genau mit dem in der populärwissenschaftlichen Literatur immer wieder herumgeisternden Gödelschen Unvollständigkeitssatz in der harten Mathematik auf sich hat.

Vorkenntnisse sind für diesen Kurs nicht erforderlich (aber auch kein Hinderungsgrund), jedoch die Bereitschaft und Ausdauer, sich innerhalb des Kurses intensiv mit abstrakter Mathematik auseinanderzusetzen und sich auf die Denkweise einzulassen, bei einer Aussage nicht zu fragen, ob sie "wahr" ist, sondern statt dessen zu fragen, ob sie beweisbar ist und wenn ja, welche Mittel dazu nötig sind.

(Klaus Aehlig, Thomas Fischbacher)

Kurs 8: -

Dieser Kurs kann leider nicht stattfinden.

Kurs 9: Woyzeck!Action - Der Mensch ist ein Abgrund...

Wir werden Büchners düsteres, pulsierendes Fragment "Woyzeck" in die Tat umsetzen. Der Eisenberg soll unsere Bühne sein. Ihr braucht keine Theater-Erfahrung, nur euch selbst und Mut zum gemeinsamen Experiment!

  • Marie, wir wolle gehn, 's ist Zeit.
  • Wohinaus?
  • Weiß ich's?

Lassen wir uns überraschen.

(Karen Heinrich)

Kurs 10: "Österreichisch" für Deutsche (Anfänger und Fortgeschrittene)

Dieser Kurs wendet sich an alle die Spaß am Umgang mit Sprache und Literatur haben. Im Kurs werden wir anhand von Gedichten (u.a. "Der Handschuh" auf Wienerisch)und anderen literarischen Texten verschiedene österreichische Dialekte kennenlernen. Außerdem werden auch einige praktische Übungen ( u.a. zur Landeskunde)auf dem Programm stehen. Sprach- oder literaturwissenschaftliche Kenntnisse werden keine vorausgesetzt, sind aber natürlich nicht von Nachteil.

(Eva Havas)

Kurs 11: Kommunikation & Interaktion

Ein beliebtes Experiment im Physikunterricht sind kommunizierende Röhren. In allen miteinander verbundenen Gefäßen stellt sich Flüssigkeit immer auf dieselbe Höhe ein. Einfach, berechenbar und immer vorhersagbar. Kommunizierende Menschen sind dies nicht. Dies scheint Begründung genug für einen Kurs, vor allem, da ein doch beträchtlicher Teil des Lebens von Kommunikation und Interaktion geprägt wird. Dieser Kurs soll allerdings kein theoretischer Rundgang durch die Sozialpsychologie oder Informationstheorie sein, sondern eine praxisnahe und auch experimentelle Suche nach Antworten auf Fragen wie:

  • Warum glauben wir anhand von Verhaltensweisen und Sprachgebrauch Selbstbewusstsein und Arroganz, Wahrheit und Lüge oder Phantasten und Realisten voneinander unterscheiden zu können?
  • Wozu kann ich meine Körpersprache nutzen, was verrät mir Mimik und Gestik über andere?
  • Was macht eine intelligente Gesprächsführung aus, wie funktionieren Meinungsbildung und Manipulation?
Wir werden uns dabei mit Selbst- und Fremdwahrnehmung, Sprache, Verhalten und Konventionen beschäftigen sowie praktische Vorgehensweisen zum Umgang mit Vorurteilen, Missverständnissen oder schwelenden Konflikten bis hin zu Kommunikationstaktiken für eine erfolgreiche Teamarbeit entwickeln. Als Anschauungsobjekte und Inspirationsquellen dienen uns neben Beispielen aus Politik, Medien und Werbung vor allem witzige Selbstversuche in Präsentationen, Debatten und simulierten Situationen.

(Kathrin Holtzmann und Tim Begett)