Kursliste WinterAkademie 2013/2014

Kurse in der 1. Hälfte

1. Kabarett (von Tilman Lucke)

Kaum ein Tag im Jahr eignet sich so gut fürs Kabarett wie Silvester – Zeit zum Zurückblicken auf ein turbulentes Wahljahr mit allerlei Skurrilitäten. Auch Gesellschaft und Kultur werden uns sicher wieder einige Angriffsflächen bieten. Alle gespielten Texte schreiben wir vorher selbst; auch vor dem Kurs können Ideen und Texte gern per E-Mail eingesandt werden. Musikalische Fähigkeiten sowie politisches und satirisches Interesse sind gern gesehen, Humor ist sogar zwingende Voraussetzung. Tilman macht seit 2005 Kabarett und wohnt in Berlin, der Stadt, die es erfunden hat. Fünf Soloprogramme sind in dieser Zeit entstanden, das aktuelle heißt „Fünf Prozent Würde“. Näheres gibt’s unter www.tilmanlucke.de.

Dieser Kurs kann in nur einer Hälfte oder in beiden belegt werden.

2. Algorithmische Komposition von Kontrapunkt im Palestrinastil (von Timo Keller)

Wir wollen gemeinsam ein Programm entwickeln, das durch regelbasiertes Lösen eines Constraint Satisfaction Problems Kontrapunkt im Palestrinastil (erste bis fünfte Art nach Fux, zwei- bis vierstimmig) erzeugt.

Benötigte Vorkenntnisse:
Musiktheorie: Noten und Intervalle lesen und bilden können;
Programmieren: eine Programmiersprache deiner Wahl, am besten C++11 oder Lisp.

Timo ist Postdoc in der Mathematik an der Universität Regensburg.

Dieser Kurs kann in der erste Hälfte oder als langer Kurs belegt werden.

3. JavaScript (von Philipp Cordes)

JavaScript wurde lange als Spielkram verschrien; es wurde schließlich so eingesetzt. Spätestens seit Google Docs ist klar, dass damit auch ernsthafte Anwendungen möglich sind. Wir beschränken uns dabei auf den Browser. Im Kurs wollen wir dazu klein anfangen und uns bis zu modernen Frameworks vorwagen. Wir nehmen die ganze Palette an Einsatzzwecken mit: Multimedia, dynamisches Nachladen von Inhalten, Arbeiten mit lokalen Daten.

Es hilft, wenn Du schon einmal programmiert und etwas von HTML gehört hast; aber das kannst Du Dir auch schnell vor dem Kurs erarbeiten. Dieser Kurs ist der dritte im klassischen Web-Dreiklang nach HTML und PHP. Ein Einstieg zur Akademiemitte ist mit Vorkenntnissen möglich.

Philipp macht beruflich „Was mit Internet“ und wollte sich JavaScript schon lange richtig beibringen.

5. Physik der Solarzelle (von Matthias Winter)

Die Photovoltaik hat in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung erfahren. Aber wie funktioniert eigentlich eine Solarzelle? Wir werden es nicht bei groben Konzepten belassen, sondern tief in die Physik einsteigen. Voraussetzung für diesen Kurs ist daher ein Wissenstand ungefähr auf dem Niveau des 4. Semesters in Physik. Die Grundlagen der Festkörperphysik und statistischen Physik (Thermodynamik) sollten vorhanden sein. Spezialvorlesungen dazu sind keine Voraussetzung, aber hilfreich. Im Zweifel, fragt einfach nach.

Matthias arbeitet normalerweise an der Leibniz-Universität Hannover und am Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH) an der Verbesserung von Silizium-Solarzellen, derzeit ist er aber hauptberuflich Mama. Ein besonderer Dank geht an Theresa, die mich für die Akademie von den Mama-Aufgaben entbindet und so diesen Kurs erst möglich macht.

Dieser Kurs sollte als langer Kurs belegt werden.

6. Die Mem-Maschine (von Gereon Kaiping, Dimitri Scheftelowitsch)

All your base und Katzen mit Kommentar. Gangnam Style und „Fakten” über Chuck Norris. Eßbare Postsendungen und Intertextualität. Das alles sind bekannte Meme: Ideen, Verhaltensweisen, Stile und Bräuche, die kommuniziert und imitiert und dadurch vervielfältigt werden. Wie Gene sind Meme also Replikatoren, die den Gesetzen der Evolution unterworfen sind, und somit ein Konzept, um Kultur mit Methoden der Evolutionsbiologie zu untersuchen. Was für Ergebnisse dieser Ansatz liefert und wo seine Grenzen sind, wollen wir in diesem Kurs untersuchen – und natürlich werden wir uns ein paar dieser Viren des menschlichen Geistes anschauen, um festzustellen, welche Methoden zur erfolgreichen Weiterverbreitung sie gefunden haben. Des weiteren wollen wir unter Anderem die Frage untersuchen, ob Imitation hilfreich und kompliziert genug ist, um zu erklären, warum das komplexe menschliche Gehirn so komplex ist.

(1. Hälfte: Popular Memetics (populär); 2. Hälfte: Serious Memetics (wissenschaftlich))

Dieser Kurs kann in nur einer Hälfte oder in beiden belegt werden.

7. Schlag für Schlag, das Herz (von Sonja Kupfer)

Wie und warum schlägt das Herz? Was lässt es schneller schlagen? Kann woman an einem gebrochenen Herzen sterben? Hiermit und mit noch viel mehr (je nachdem wofür wir Zeit und Interesse haben) wollen wir uns im Winter beschäftigen. Was genau ist das für ein Organ, das unermüdlich seine Arbeit tun muss, damit wir leben können?

In der ersten Hälfte des Kurses wollen wir uns vor allem mit physiologischen Grundlagen beschäftigen. Wie ist eine Herzmuskelzelle aufgebaut und warum hat sie Ionenkanäle? Wie entsteht das Herz eines Embryos im Mutterleib und was kann dabei schief laufen? Was sind Lungen- und Körperkreislauf und wie pumpt das Herz das Blut durch sie hindurch? Wie wird das Herz selbst mit Blut versorgt? Was ist eigentlich ein EKG (und warum ist es beim Herzinfarkt wichtig)? Wie werden Herzfrequenz und Blutdruck gesteuert?

In der zweiten Hälfte soll es um Erkrankungen und mögliche Behandlungen gehen. Was ist ein Herzinfarkt? Kann woman ein gebrochenes Herz medizinisch feststellen? Kann sich das Herz entzünden? Außerdem: Herzoperationen, Herzkatheter, Stents, Klappenfehler und -ersatz, was ist eigentlich ein Bypass? und was für Medikamente gibt es, die am Herz wirken sollen?. (Oder sagt mir, was euch besonders interessieren würde.)

Für den Kurs sind keinerlei Vorkenntnisse nötig. Es ist möglich nur an einer der Hälften teilzunehmen, wobei die 1. Hälfte das Verstehen der 2. Hälfte erleichtern und vertiefen sollte.

Sonja studiert Medizin in Lübeck und möchte alle herzlichst einladen an diesem Kurs teilzunehmen.

8. Carl Schmitts „Der Begriff des Politischen“ (1927) (von Theodor Fall)

Carl Schmitt gilt, insbesondere aufgrund seines Engagements für die nationalsozialistische Herrschaft, als einer der umstrittensten Staatsrechtler und Politiktheoretiker des 20. Jahrhunderts. Dennoch hatte er nach '45 in der Bundesrepublik großen Einfluss auf zahlreiche renommierte Denker in Rechts-, Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften, die oft sogar als seine Schüler bezeichnet werden. Inzwischen wird er von namhaften Wissenschaftlern politisch höchst unterschiedlicher Couleur längst zu den Klassikern des politischen Denkens gezählt.

Eine Schlüsselstellung für das Verständnis Schmitts staatstheoretischen Denkens nimmt sein Aufsatz „Der Begriff des Politischen“ aus dem Jahr 1927 ein. „Die spezifisch politische Unterscheidung […] ist die Unterscheidung von Freund und Feind“, bringt die Kernthese dieser Schrift auf den Punkt.

Im Kurs wollen wir Schmitts Text durch gemeinsame Lektüre vor Ort zunächst verstehen, sodann die Leistungsfähigkeit seines originären Ansatzes ausloten, Probleme der Theorie identifizieren und nicht zuletzt selbst kritisch Position beziehen. Je nach Diskussionsverlauf können wir zu bestimmten Fragestellungen auch die erweiterte Fassung von 1932 hinzuziehen.

Zur Teilnahme sind alle Interessierten eingeladen, es ist keine Vorbereitung erforderlich. Vorwissen oder Erfahrung mit Textarbeit werden nicht benötigt. Aber auch begriffswissenschaftlich Versierte werden mit Gewinn am Kurs teilnehmen. Es wird allein die Bereitschaft vorausgesetzt, sich vorurteilsfrei auf den Text einzulassen, selbst wenn darin Auffassungen vertreten werden sollten (oder auch nur vermutet werden), die im vermeintlich größtmöglichen Gegensatz zur eigenen Überzeugung stehen. Eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit kontroversen Positionen in ihrer stärkstmöglichen Form macht gerade den Reiz begriffswissenschaftlicher Arbeit aus.

Der Kursleiter in spe studiert seit mehreren Jahren Philosophie an der LMU München und hat mittlerweile hochschulpolitisch einige Erfahrung gesammelt.

9. Der Lauf der Dinge oder: Umwege mit Rube-Goldberg-Maschinen (von Maja Geulig, Sophie Paschen)

Der direkte Weg ist der schnellste. Aber im Ernst: Vermutlich auch sehr langweilig. Was kann woman nicht alles in einem kleinen Umweg schon einbauen. Und wie viel mehr noch in einem großen Umweg… Wie langweilig ist es doch, einfach nur so, ohne Extras, ein Waffeleisen zuzuklappen oder eine Seite umzublättern. Doch es gibt eine Lösung! Rube-Goldberg-Maschinen, die ultimativen Unsinn-Umwegmaschinen! Wir wollen uns die Aka über damit beschäftigen, auf möglichst kreative Weise Umwege zurückzulegen und dabei alles Mögliche in Bewegung zu setzen. Bereite dich darauf vor, viele Sachen zu sammeln, die woman in eine Reaktionskette einbauen kann, (fast) alles ist erlaubt. (Aus gewissen Gründen müssen wir auf pyrotechnische Effekte und lebende Tiere als Teil der Maschine verzichten) Nach einer kurzen Einführung (und inspirierende Kurzfilme) könnt ihr den Dingen freien Lauf lassen.

Sophie studiert Physik und liebt es, mit allen möglichen Dingen herumzubasteln. Wenn dann auch noch etwas Sinnloses dabei herauskommt, ist das noch einmal doppelt so gut. Maja hat dieses Jahr ihr Abitur bestanden und versucht sich jetzt an einem Anglistik und Computerlinguistik-Studium in Heidelberg. Nebenbei beschäftigt sie sich mit Mittelalterlichem Schwertkampf und anderen verrückten Ideen.

Sophie und Maja gehören außerdem beide zur der Sorte Mensch, die sich nachts um halb eins einen halbstündigen Film über eine Reaktionskette ansieht, um dann auf die Idee zu kommen darüber auch noch einen Kurs anzubieten.

10. Was heißt denn hier schwer? (von Michael Hamann, Stefan Walzer)

Computer können viele Probleme rasend schnell lösen: Zum Beispiel können Navigationsgeräte einem CdEler ohne nennenswerte Verzögerung den kürzesten Weg nach Windischleuba ausrechnen. Wollte dagegen die exPuls-Redaktion die kürzeste Route berechnen, die bei jedem CdEler einmal vorbeigeht, um schnellstmöglich den exPuls auszutragen, dann kann die Berechnung sehr, sehr lange dauern.

Das ist kein Zufall und liegt nicht etwa daran, dass sich Redaktionsmitglieder beim Programmieren besonders ungeschickt anstellen. In diesem Kurs wollen wir erkennen, dass es Probleme gibt, die prinzipiell schwieriger sind als andere.

Manche Probleme sind sogar so kompliziert, dass sie gar nicht gelöst werden können. Deshalb werden zum Beispiel Windowsbenutzer gelegentlich gefragt, ob auf ein hängendes Programm noch ein wenig gewartet werden soll. Es wäre ganz unmöglich für das Betriebssystem zuverlässig zu erkennen, ob ein Programm irgendwann wieder reagieren wird oder sich vollends verheddert hat. Dazu müsste das Betriebssystem nämlich das sogenannte Halteproblem lösen und das geht nicht.

Um solche Dinge zu beweisen schauen wir uns keine echten Computer an, sondern einfache Maschinenmodelle, die „`im Wesentlichen“' das selbe können. Zum Beispiel kleine Steuereinheiten, die auf einem unendlich langen Speicherband hin- und herfahren. Solche „`Turingmaschinen“' sind so übersichtlich, dass woman sie mit Lego nachbauen und - viel wichtiger - mit formalen Methoden untersuchen kann.

Dieser Kurs soll Grundlagen der theoretischen Informatik mit besonderem Schwerpunkt auf Automaten-, Komplexitäts- und Entscheidbarkeitstheorie vermitteln, das heißt es geht darum, für Berechnungsprobleme zu bestimmen, ob sie lösbar sind und wenn ja womit und wie schnell. Vorkenntnisse sind keine nötig, Interesse an theoretischen Resultaten und ihren Beweisen, sowie die Bereitschaft ein kurzes Referat zu halten dagegen schon. Informatikstudenten dürfte vieles bekannt sein, daher richtet sich der Kurs explizit an (Noch-)Nicht-Informatiker.

Michael und Stefan studieren Informatik im 10. Semester am Karlsruher Institut für Technologie.

11. Ein Blindversuch (von Jan Leike, Christian Krautschneider)

Wie wäre es blind zu sein? Wie kann woman sich blind im Alltag bewegen? Wie fühlt woman sich als Blinde(r)? Das wollen wir anhand eines Selbstversuchs experimentell untersuchen.

Neben den verschiedenen alltäglichen Aktivitäten (Zähneputzen, Umziehen, Kochen, Essen, Spielen, …) wollen wir auch einen Einblick in theoretische Aspekte bekommen (Blindenschrift usw.). Zusätzlich müssen alle Teilnehmenden einen kompletten Tag auf der Akademie blind verbringen. Weil wir uns damit abwechseln, bekommt jede(r) eine(n) persönliche(n) Assistierende(n) unterstützend zur Seite gestellt.

Dieser Kurs wird eine bunte Mixtur aus Alltagsherausforderung, Theorie und viel Spiel und Spaß.

Christian hat selbst jahrelange Erfahrung mit dem Blindsein und Jan macht gerne Blindversuche.

12. Das vernetzte Feriendorf (von Jacob Benz, Michael Reichert)

Wie versorgt woman das Feriendorf am Eisenberg, wo die Pfingst- und SommerAkademien stattfinden, mit Internet? In diesem Kurs wollen wir die Arbeit von des gleichnamigen Kurses der SommerAkademie 2013 fortsetzen.

Anstelle eines WLAN-Routers verwenden wir ein WLAN-Mesh, in dem alle Teilnehmer direkt miteinander kommunizieren, ohne dass alle Kommunikation über einen zentralen Access Point läuft. Dadurch wird das WLAN ausfallsicherer und kann einfacher erweitert werden, sodass eine Abdeckung aller Höfe des Feriendorfs möglich ist. Über Mobilfunk wird das Mesh an das Internet angeschlossen.

Ziel ist es, am Ende des Kurses einem möglichst einfachen Setup für eine Pfingst- oder SommerAkademie nähis zu sein.

Feldversuche haben wir schon auf der SommerAkademie durchgeführt, jetzt geht es vor allem um die Konfiguration. Wie konfigurieren wir OpenWRT-Router? Wie kommen Clients ohne Mesh-Software ins Internet? Wie gehen wir möglichst sparsam mit dem beschränkten Datenvolumen einer Mobilfunk-Internetflatrate um?

Dieser Kurs ist ein Bastel-Workshop, fehlende theoretische Kenntnisse müssen vor der Akademie erarbeitet werden. Ein Laptop und Linux-Kommandozeilenkenntnisse sind für die Kursteilnahme erforderlich.

Michael hat diesen Kurs schon auf der SommerAkademie 2013 geleitet, Jacob war Orga und inoffizieller Kursteilnehmer.

18. Wer mit wem und andere Liebschaften (von Gabriella Gall, Laura Engmann, Oliver Caspari)

Wer darf was wann mit wem wo tun? Und wer hat überhaupt das überhaupt festzulegen? Solche Fragen beschäftigen nicht nur die Kursleiter Cini, Laura und Oli, sondern auch Erdmännchen in der Kalahari, deine Leber, das Präkambium des Sprossapikalmeristems einer jungen Maispflanze, Embryonale Stammzellen beim Aufbau von Rückenmark und Lunge und sogar die Lichtsammelkomplexe von Photosystem II. In diesem kurzen, aber intensiven, Kurs wollen wir euch veranschaulichen, auf welche Weise Kommunikation auf ganz verschiedenen Ebenen in der Biologie eine Rolle spielt, was gelungene Kommunikation ausmacht und was passieren kann, wenn’s schief läuft. Zu diesem Zwecke wäre es klasse, wenn ihr zumindest Abiturwissen Bio mitbringen würdet, damit wir so richtig einsteigen können und nicht erst erklären müssen, was beispielsweise ein Ionenkanal ist.

Laura studiert Medizin und Musik in Würzburg und untersucht für ihre Doktorarbeit die DNA von Kindern mit Schädelfehlbildungen. Oli doktert in Cambridge nun schon im dritten Jahr an Algen herum und Cini lässt Erdmännchen auf ihrem Kopf rumtanzen, wofür Zürich ihr auch einen Doktortitel versprochen hat.

19. Nietzsches "Genealogie der Moral" (von Patrick Lahr, David Lorch)

"Es gibt einen alten Wahn, der heißt Gut und Böse."

Friedrich Nietzsche

Die Moral ist die gesellschaftliche Antwort auf die Frage: Wie soll ich leben? – Sie beschäftigt nicht nur von jeher die Philosophen, sie ist auch eine Frage auf die jeder von uns durch seine Lebensweise implizit Antwort gibt und der nicht ausgewichen werden kann. Für die Diskussion dieser Frage laden wir in diesem Kurs Friedrich Nietzsche mit seinem klarsten und strukturiertesten Werk ein: "Zur Genealogie der Moral". Wir werden Zeuge werden eines fundamentalen Angriffs auf unsere Moralvorstellungen und des Aufbaus einer Alternative ganz anderen Typs. Wie gute Gesprächspartner wollen wir dabei zuerst und vor allem versuchen, Nietzsche zu verstehen und uns so lange mit Urteilen zurückhalten, bis wir uns sicher fühlen ihn wirklich begriffen zu haben. Der Abschluss soll in der Frage liegen, ob wir aufbauend auf dem Verständnis sein Denken für uns annehmen oder verwerfen. Zu diesem Zweck wird es notwendig sein, den Text eine erhebliche Anzahl von Malen "wiederzukauen", wie es Nietzsche selbst nennt. Dies kann nur zu einem gewissen Teil während der Kurszeit geschehen. Wir erwarten daher, dass ihr den Text im Vorfeld einige Female lest, nach-denkt und die Ergebnisse eures Nach-denkens an einem Teil des Textes in einem kurzen Referat präsentiert. Weitere Vorkenntnisse erwarten wir nicht. Der Kurs wird in beiden Hälften der Akademie stattfinden. Es ist sinnlos und deshalb nicht möglich, nur die erste oder nur die zweite Hälfte zu wählen. Diesen Kurs in beiden Hälften zu wählen, ist allerdings eine sehr gute Idee.

Patrick studierte Mathematik, verkauft zurzeit seine Seele an eine Unternehmensberatung und liebt trotzdem die Weisheit. David promoviert in Mathematik und kommt von dieser eifersüchtigen Dame nur selten los, auch wenn er die Weisheit mindestens genauso liebt.

20. Esperanto - La lingvo internacia (von Ludger Sandig, Dorothee Henke)

"Auf neutralem sprachlichem Fundament die Mauern zwischen den Völkern beseitigen": Diese Vision hatte der polnische Arzt und Philologe Dr. Ludwig Zamenhof, als er 1887 die internationale Sprache Esperanto entwickelte.

Dass diese Plansprache heute, mehr als 125 Jahre später, immer noch Verbreitung findet, ist nicht zuletzt ihrem sehr regelmäßigen grammatikalischen Aufbau und Vokabular geschuldet. Dadurch kann Esperanto in vielfach kürzerer Zeit erlernt werden, als jede nationale Sprache.

Wir wollen uns auf der Akademie diese faszinierende Sprache soweit erarbeiten, dass wir uns auf Esperanto unterhalten, aber auch Kurzgeschichten, Lieder und Gedichte lesen und verstehen können – denn außer "original" Esperanto-Literatur existieren auch Übersetzungen von den griechischen Sagen über Antigone, Woyzeck und Loriot bis zu Tolkien. Je nach Zeitaufwand und Interessen können wir uns darüber hinaus noch mit der Geschichte und Zukunft des Esperanto oder den Konzepten anderer Plansprachen auseinandersetzen oder aber selbst als Übersetzer tätig werden.

In diesem Sinne: Ĝis la akademio!

Der Kurs dauert beide Hälften, es besteht aber auch die Möglichkeit, nur an der ersten Hälfte teilzunehmen.

21. Pen & Paper Rollenspiel für Anfänger und Fortgeschrittene (von Carsten Burgard und Freya Fleckenstein)

Du bist eigentlich ganz anders, aber du kommst nur so selten dazu? Hier ist deine Gelegenheit! In diesem Kurs wollen wir gemeinsam ein Abenteuer erleben, das es in sich hat. Kommt mit auf eine Reise durch Meere von Wasser und Sand, ins sagenumwobene Land Aran voll unbekannter Gefahren und unentdeckter Schätze. Wir werden das in Eigenregie angefertigte Reiseabenteuer „Die Jagd nach der Wunderlampe” spielen, in welchem wir das ungewöhnliche Konzept eines Wettlaufs zweier Spielergruppen ausprobieren - auch für uns eine echte Premiere.

Eingeladen sind vor allem Rollenspielanfänger und Gelegenheitsspieler, aber auch über alte Hasen freuen wir uns sehr. Vorkenntnisse werden keine benötigt, wer jedoch schon Erfahrung hat, darf diese (sowie Ausrüstung in Form einer spielbaren Figur von höchstens Grad 6 oder eines Würfelsatzes) gerne mitbringen. Spielen werden wir nach den Regeln des deutschen Rollenspiels Midgard (vierte Edition mit geringfügigen Abwandlungen).

Kursleiter sind Freya Fleckenstein und Carsten Burgard, beide aus Freiburg im Breisgau. Freya studiert M.Sc. Informatik, nach einem Bachelor in Mathematik. Sie spielt seit etwa drei Jahren Pen & Paper Rollenspiele. Carsten promoviert in experimenteller Teilchenphysik, er spielt seit etwa zehn Jahren.

Der Kurs ist als fortlaufende Geschichte angelegt, welche sich über beide Akademiehälften zieht. Ein nachträgliches Einsteigen oder vorzeitiges Aussteigen zur Akademiehalbzeit ist aber ohne größere Probleme möglich.

22. Overcoming Bias (von Marcus Hanzig)

Natürlich kannst du fehlerfrei denken, das kann doch jeder, oder? Nicht ganz. Biases sind Fehler, die jeder Mensch beim Denken machen kann und auch macht. Als rationales Denken bezeichnet woman das Denken ohne diese Biases. Dieser Kurs soll ins rationale Denken einführen und einige Biases behandeln. Dabei reden wir zuerst über die Folgen der einzelnen Biases und finden schließlich selbst Lösungen, diese geschickt zu umgehen. Dabei liegt der Fokus auf diversen praktischen Übungen.

Für den Kurs ist nichts vorzubereiten. Wer für das Thema brennt und sich schon vorher damit beschäftigen will und/oder den Kurs nicht bekommt, dem kann ich http://www.overcomingbias.com, http://lesswrong.com/ sowie http://www.fanfiction.net/s/5782108/1/Harry-Potter-and-the-Methods-of-Ra... empfehlen.

Marcus studiert Mathematik in Berlin und kann sich neben Jasmintee auch schon seit längerer Zeit für rationales Denken begeistern.

23. Medikamente -- von Aspirin, bis Zidovudin. (von Jessica Ott und Jan Boscheinen)

Wir wollen uns - immer von einem Medikament ausgehend - eigentlich die gesamte Medizin ansehen, um zu schauen was Medikamente in unserem Körper so bewirken oder auch anrichten. Dabei beginnt unsere Reise bei allseits beliebten Schmerzmitteln wie Aspirin, mit Zwischenstopps bei Antibiotika, Medikamenten gegen Viren, Mitteln zur Bekämpfung von Krebs, und endet schließlich bei Mitteln, die gezielt das Immunsystem beeinflussen.

Du wolltest schon immer mal wissen, warum Aspirin "das Blut verdünnt"? Dich juckt es unter den Fingern zu erfahren welche Mittel es momentan zur Therapie von Aids gibt? Von Transplantation hast Du schon mal was gehört, und fragst dich, was das für Mittel sind, die die Abstoßung des neuen Organs verhindern sollen? Dann komm in unseren Kurs! Zu Risiken und Nebenwirkungen frage dich selbst!

Voraussetzungen gibt es keine, aber jeder Teilnehmer sollte sich auf zwei (wirklich kleine) Themen vorbereiten und darüber einen Vortrag (jeweils 5-10min) halten.

Jessica studiert Medizin im 5. Semester an der LMU in München und ist ganz biochemieverrückt, Jan hat einen Master in Molekularer Medizin und studiert Humanmedizin im schönen Erlangen.

Kurse in der 2. Hälfte

1. Kabarett (von Tilman Lucke)

Kaum ein Tag im Jahr eignet sich so gut fürs Kabarett wie Silvester – Zeit zum Zurückblicken auf ein turbulentes Wahljahr mit allerlei Skurrilitäten. Auch Gesellschaft und Kultur werden uns sicher wieder einige Angriffsflächen bieten. Alle gespielten Texte schreiben wir vorher selbst; auch vor dem Kurs können Ideen und Texte gern per E-Mail eingesandt werden. Musikalische Fähigkeiten sowie politisches und satirisches Interesse sind gern gesehen, Humor ist sogar zwingende Voraussetzung. Tilman macht seit 2005 Kabarett und wohnt in Berlin, der Stadt, die es erfunden hat. Fünf Soloprogramme sind in dieser Zeit entstanden, das aktuelle heißt „Fünf Prozent Würde“. Näheres gibt’s unter www.tilmanlucke.de.

Dieser Kurs kann in nur einer Hälfte oder in beiden belegt werden.

2. Algorithmische Komposition von Kontrapunkt im Palestrinastil (von Timo Keller)

Wir wollen gemeinsam ein Programm entwickeln, das durch regelbasiertes Lösen eines Constraint Satisfaction Problems Kontrapunkt im Palestrinastil (erste bis fünfte Art nach Fux, zwei- bis vierstimmig) erzeugt.

Benötigte Vorkenntnisse: Musiktheorie: Noten und Intervalle lesen und bilden können;

Programmieren: eine Programmiersprache deiner Wahl, am besten C++11 oder Lisp.

Timo ist Postdoc in der Mathematik an der Universität Regensburg.

Dieser Kurs kann in der erste Hälfte oder als langer Kurs belegt werden.

3. JavaScript (von Philipp Cordes)

JavaScript wurde lange als Spielkram verschrien; es wurde schließlich so eingesetzt. Spätestens seit Google Docs ist klar, dass damit auch ernsthafte Anwendungen möglich sind. Wir beschränken uns dabei auf den Browser. Im Kurs wollen wir dazu klein anfangen und uns bis zu modernen Frameworks vorwagen. Wir nehmen die ganze Palette an Einsatzzwecken mit: Multimedia, dynamisches Nachladen von Inhalten, Arbeiten mit lokalen Daten.

Es hilft, wenn Du schon einmal programmiert und etwas von HTML gehört hast; aber das kannst Du Dir auch schnell vor dem Kurs erarbeiten. Dieser Kurs ist der dritte im klassischen Web-Dreiklang nach HTML und PHP. Ein Einstieg zur Akademiemitte ist mit Vorkenntnissen möglich.

Philipp macht beruflich „Was mit Internet“ und wollte sich JavaScript schon lange richtig beibringen.

4. Teams in Space (von Thomas Nolden, Maike Paetzel)

Wie funktionieren Teams? Mit theoretischen Hintergründen aus Psychologie und Projektmanagement und mit vielen praktischen Übungen gehen wir dieser Frage auf den Grund. Wir beschäftigen uns unter anderem mit Kommunikation und Rollen im Team, mit Teamführung und Teamzusammenstellung. Auch durch viel Feedback lernst du dich selbst und dich im Team besser kennen.

Noch praktischer wird es beim Spiel Space Alert: Wir optimieren unser Spielverhalten, holen uns Ideen von Piloten und Feuerwehr und wir steigern uns bei neuen Herausforderungen und Varianten.

Empfohlen wird die Teilnahme am ganzen Kurs oder nur an der zweiten Hälfte. Zu Kursbeginn werden Regelkenntnisse vorausgesetzt; für die erste Hälfte können diese auch am Abend des Anreisetages erworben werden.

Der Kursleiter ist Senior-Entdecker und kennt Gruppen sowohl aus seinem Studium als auch aus zahlreichen Kursen. Seine Co-Pilotin ist die Technikerin an Bord und bildet nebenbei regelmäßig neue Rekruten und Studierende aus.

5. Physik der Solarzelle (von Matthias Winter)

Die Photovoltaik hat in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung erfahren. Aber wie funktioniert eigentlich eine Solarzelle? Wir werden es nicht bei groben Konzepten belassen, sondern tief in die Physik einsteigen. Voraussetzung für diesen Kurs ist daher ein Wissenstand ungefähr auf dem Niveau des 4. Semesters in Physik. Die Grundlagen der Festkörperphysik und statistischen Physik (Thermodynamik) sollten vorhanden sein. Spezialvorlesungen dazu sind keine Voraussetzung, aber hilfreich. Im Zweifel, fragt einfach nach.

Matthias arbeitet normalerweise an der Leibniz-Universität Hannover und am Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH) an der Verbesserung von Silizium-Solarzellen, derzeit ist er aber hauptberuflich Mama. Ein besonderer Dank geht an Theresa, die mich für die Akademie von den Mama-Aufgaben entbindet und so diesen Kurs erst möglich macht.

6. Die Mem-Maschine (von Gereon Kaiping, Dimitri Scheftelowitsch)

All your base und Katzen mit Kommentar. Gangnam Style und „Fakten” über Chuck Norris. Eßbare Postsendungen und Intertextualität. Das alles sind bekannte Meme: Ideen, Verhaltensweisen, Stile und Bräuche, die kommuniziert und imitiert und dadurch vervielfältigt werden. Wie Gene sind Meme also Replikatoren, die den Gesetzen der Evolution unterworfen sind, und somit ein Konzept, um Kultur mit Methoden der Evolutionsbiologie zu untersuchen. Was für Ergebnisse dieser Ansatz liefert und wo seine Grenzen sind, wollen wir in diesem Kurs untersuchen – und natürlich werden wir uns ein paar dieser Viren des menschlichen Geistes anschauen, um festzustellen, welche Methoden zur erfolgreichen Weiterverbreitung sie gefunden haben. Des weiteren wollen wir unter Anderem die Frage untersuchen, ob Imitation hilfreich und kompliziert genug ist, um zu erklären, warum das komplexe menschliche Gehirn so komplex ist.

(1. Hälfte: Popular Memetics (populär); 2. Hälfte: Serious Memetics (wissenschaftlich))

Dieser Kurs kann in nur einer Hälfte oder in beiden belegt werden.

7. Schlag für Schlag, das Herz (von Sonja Kupfer)

Wie und warum schlägt das Herz? Was lässt es schneller schlagen? Kann woman an einem gebrochenen Herzen sterben? Hiermit und mit noch viel mehr (je nachdem wofür wir Zeit und Interesse haben) wollen wir uns im Winter beschäftigen. Was genau ist das für ein Organ, das unermüdlich seine Arbeit tun muss, damit wir leben können?

In der ersten Hälfte des Kurses wollen wir uns vor allem mit physiologischen Grundlagen beschäftigen. Wie ist eine Herzmuskelzelle aufgebaut und warum hat sie Ionenkanäle? Wie entsteht das Herz eines Embryos im Mutterleib und was kann dabei schief laufen? Was sind Lungen- und Körperkreislauf und wie pumpt das Herz das Blut durch sie hindurch? Wie wird das Herz selbst mit Blut versorgt? Was ist eigentlich ein EKG (und warum ist es beim Herzinfarkt wichtig)? Wie werden Herzfrequenz und Blutdruck gesteuert?

In der zweiten Hälfte soll es um Erkrankungen und mögliche Behandlungen gehen. Was ist ein Herzinfarkt? Kann woman ein gebrochenes Herz medizinisch feststellen? Kann sich das Herz entzünden? Außerdem: Herzoperationen, Herzkatheter, Stents, Klappenfehler und -ersatz, was ist eigentlich ein Bypass? und was für Medikamente gibt es, die am Herz wirken sollen?. (Oder sagt mir, was euch besonders interessieren würde.)

Für den Kurs sind keinerlei Vorkenntnisse nötig. Es ist möglich nur an einer der Hälften teilzunehmen, wobei die 1. Hälfte das Verstehen der 2. Hälfte erleichtern und vertiefen sollte.

Sonja studiert Medizin in Lübeck und möchte alle herzlichst einladen an diesem Kurs teilzunehmen.

13. Go (von Tashi Walde, Florian Kirch)

Go ist ein abstraktes Brettspiel für zwei Spieler, welches vor mindestens 2000 Jahren in China entstanden ist und vor allem in Ostasien viel gespielt wird. Es zeichnet sich aus durch die extrem einfachen Regeln (von denen es im Wesentlichen 4 gibt) und die sehr große Komplexität, die z.B. auch die des Schachspiels um viele Größenordnungen überschreitet. Go bietet sowohl taktisch als auch strategisch unglaublich viel und woman kann ein Leben lang damit verbringen die Nuancen dieses Spiels zu verstehen. Ein weiterer interessanter Aspekt des Spiels ist der, dass auch Spieler unterschiedlicher Spielstärke durch ein gut ausgearbeitetes Vorgabesystem faire Partien miteinander spielen können.

Der größte (und einzige) Nachteil des Spiels ist wohl die Anfangshürde, die woman überwinden muss, bis woman in das Spiel reinkommt. Das liegt zum Teil daran, dass das Gobrett sehr groß ist und daran, dass die Zielsetzung für viele Einsteiger anfangs nicht so klar ist. Dadurch wirkt Go am Anfang undurchschaubar und verwirrend. Wir wollen in diesem Kurs möglichst vielen Anfängern helfen, diese Hürde zu überwinden und die Gelegenheit bieten, in dieses wunderbare Spiel reinzufinden.

Auch stärkere Spieler sind sehr willkommen und können etwas lernen. Je nach Nachfrage können wir auch fortgeschrittenere Themen ansprechen oder Partien auf höherem Niveau besprechen. Die Kursleiter sind Tashi (1d-2d) und Flo (2k-1k)

14. Monopoly - Wirtschaft 'mal anders (von Andrew Easton)

Wirtschaftliche Abläufe und Probleme stellen einen zentralen Aspekt unseres gesellschaftlichen Lebens dar. Diese komplexen Vorgänge zu verstehen, zu strukturieren und vorherzusagen, ist eine eigene Wissenschaft. Es ist tatsächlich eine Kunst, deren Sachverhalte einfach und verständlich zu vermitteln, ohne relevante Aspekte auszulassen. Dieser Kurs bespricht die Umsetzung Monopolys in ein Computermodell, eine dazugehörige Messreihe, Inflation und Warenkörbe, sowie kleine lokale und je nach Zeit auch globale Aktienmarktmodelle.

Mein Name ist Andrew Easton. Ich studiere seit Oktober 2013 Wirtschaftsmathematik an der Universität Würzburg (⇒ Mischung aus Mathematik, Wirtschaft, Informatik) & für alle die sich für mein Haustier interessieren: ein Goldhamster. Ich in drei Worten: analytisch, ergebnisorientiert, interdisziplinär.

15. Strong AI (von Jan Leike)

Ist Strong AI (künstliche Intelligenz auf oder über menschlichen Niveau) prinzipiell möglich? Wann können wir damit rechnen? Was für Risiken ergeben sich dadurch?

Wir wollen

  • diese und verwandte Fragen versuchen wissenschaftlich zu beantworten,
  • untersuchen, wie die Darstellung von Strong AI in Film und Fernsehen systematischen Fehlern (Biases) unterliegt,
  • die bisherigen Errungenschaften in der künstlichen Intelligenz und aktuelle Probleme aus der Forschung (AIXI, Friendly AI, …) beleuchten.

Unsere Herangehensweise wird hier eher mathematisch ausfallen, Vorkenntnisse in Mathematik sind aber nicht unbedingt notwendig.

Jan beginnt demnächst seine Promotion in Informatik.

16. Russland, das logischte Land der Welt (von Alexander Ivanov, Olga Ivanova)

(Epigraph)

"Begreifen kann woman Rußland nicht,

Gemeines Maß kann es nicht messen: ..."

F. Tjutschew

Wozu sind diese weich- und hartzeichen im Russischen eigentlich gut, wenn woman sie ehe nicht ausspricht? Wie scheibt woman "Borsch" richtig, mit sch oder mit schtsch? Stammen Russen von Slaven oder von Wikingern ab?

Nachdem diese grundlegenden Fragen geklaert sind, werden wir uns den alltaeglichen Problemen von Russen zuwenden: wie woman den o.g. Borsch richtig zubereitet, wie das "r" richtig gerollt wird, wodrin sich Pelmenji von Maultaschen unterscheiden, was woman tun soll, wenn einem ein Bär auf der Straße begegnet und warum es im Russischen viel Mat(t) aber kein Schach gibt? Die wichtigsten Fragen - welchen Wodka woman zum Frühstueck serviert und welchen zum Mittagessen und was woman beim Einschenken unbedingt beachten muss, um nicht zusammengeschlagen zu werden? - werden wir feige auslassen, weil sie uns zu niveaulos sind und außerdem noch gar nicht in letzter Instanz geklärt.

Euch erwartet in diesem Kurs also ein Vorteilspacket "3 in 1": ein ganzer Happen russischer Sprache als Vorspeise, dann, als Hauptgang, ein Gang durch verschiedene Hauptgänge der russischen Küche und als Nachspeise ein Teil russischer und sovietischer Kultur. Genossen, wir freuen uns auf euch!

17. Die Kunst des Krieges (von Stefan Reichert)

In diesem Kurs lernt ihr alles über Strategie. Dabei fangen wir mit den Wohl größten Strategen ihrer Zeit an. Rom. Wir werden einige ihrer Schlachten aufarbeiten, darunter namhafte wie Cannae oder Schlachten aus dem Gallischen Krieg. Ebenso werden wir deren Bewaffnung und ihre Struktur anschauen. Damit ihr die Theorie aber auch mal selbst ausprobieren könnt, werden wir mithilfe des Spiels TotalWar:ROME einige Schlachten nachstellen. Um allerdings nicht nur auf Rom begrenzt zu sein, werden wir uns mit einem weiteren Kapitel der europäischen Militärgeschichte beschäftigen. Den napoleonischen Kriegen. Dabei werden wir uns voraussichtlich die Schlacht bei Austerlitz (evtl. auch weitere Schlachten) anschauen. Voraussetzung für den Kurs ist ein Laptop (Windows ist leider notwendig), nach Möglichkeit eines der beiden Spiele (Empire:TotalWar und/oder Rome:TotalWar) und der Wille einiges im vorhinein schon zu erarbeiten.

In diesem Sinne, stellt euch der Strategie des Krieges. Möge der bessere Gewinnen, Stefan

19. Nietzsches "Genealogie der Moral" (von Patrick Lahr, David Lorch)

"Es gibt einen alten Wahn, der heißt Gut und Böse."

Friedrich Nietzsche

Die Moral ist die gesellschaftliche Antwort auf die Frage: Wie soll ich leben? – Sie beschäftigt nicht nur von jeher die Philosophen, sie ist auch eine Frage auf die jeder von uns durch seine Lebensweise implizit Antwort gibt und der nicht ausgewichen werden kann. Für die Diskussion dieser Frage laden wir in diesem Kurs Friedrich Nietzsche mit seinem klarsten und strukturiertesten Werk ein: "Zur Genealogie der Moral". Wir werden Zeuge werden eines fundamentalen Angriffs auf unsere Moralvorstellungen und des Aufbaus einer Alternative ganz anderen Typs. Wie gute Gesprächspartner wollen wir dabei zuerst und vor allem versuchen, Nietzsche zu verstehen und uns so lange mit Urteilen zurückhalten, bis wir uns sicher fühlen ihn wirklich begriffen zu haben. Der Abschluss soll in der Frage liegen, ob wir aufbauend auf dem Verständnis sein Denken für uns annehmen oder verwerfen. Zu diesem Zweck wird es notwendig sein, den Text eine erhebliche Anzahl von Malen "wiederzukauen", wie es Nietzsche selbst nennt. Dies kann nur zu einem gewissen Teil während der Kurszeit geschehen. Wir erwarten daher, dass ihr den Text im Vorfeld einige Female lest, nach-denkt und die Ergebnisse eures Nach-denkens an einem Teil des Textes in einem kurzen Referat präsentiert. Weitere Vorkenntnisse erwarten wir nicht. Der Kurs wird in beiden Hälften der Akademie stattfinden. Es ist sinnlos und deshalb nicht möglich, nur die erste oder nur die zweite Hälfte zu wählen. Diesen Kurs in beiden Hälften zu wählen, ist allerdings eine sehr gute Idee.

Patrick studierte Mathematik, verkauft zurzeit seine Seele an eine Unternehmensberatung und liebt trotzdem die Weisheit. David promoviert in Mathematik und kommt von dieser eifersüchtigen Dame nur selten los, auch wenn er die Weisheit mindestens genauso liebt.

20. Esperanto - La lingvo internacia (von Ludger Sandig, Dorothee Henke)

"Auf neutralem sprachlichem Fundament die Mauern zwischen den Völkern beseitigen": Diese Vision hatte der polnische Arzt und Philologe Dr. Ludwig Zamenhof, als er 1887 die internationale Sprache Esperanto entwickelte.

Dass diese Plansprache heute, mehr als 125 Jahre später, immer noch Verbreitung findet, ist nicht zuletzt ihrem sehr regelmäßigen grammatikalischen Aufbau und Vokabular geschuldet. Dadurch kann Esperanto in vielfach kürzerer Zeit erlernt werden, als jede nationale Sprache.

Wir wollen uns auf der Akademie diese faszinierende Sprache soweit erarbeiten, dass wir uns auf Esperanto unterhalten, aber auch Kurzgeschichten, Lieder und Gedichte lesen und verstehen können – denn außer "original" Esperanto-Literatur existieren auch Übersetzungen von den griechischen Sagen über Antigone, Woyzeck und Loriot bis zu Tolkien. Je nach Zeitaufwand und Interessen können wir uns darüber hinaus noch mit der Geschichte und Zukunft des Esperanto oder den Konzepten anderer Plansprachen auseinandersetzen oder aber selbst als Übersetzer tätig werden.

In diesem Sinne: Ĝis la akademio!

Der Kurs dauert beide Hälften, es besteht aber auch die Möglichkeit, nur an der ersten Hälfte teilzunehmen.

21. Pen & Paper Rollenspiel für Anfänger und Fortgeschrittene (von Carsten Burgard und Freya Fleckenstein)

Du bist eigentlich ganz anders, aber du kommst nur so selten dazu? Hier ist deine Gelegenheit! In diesem Kurs wollen wir gemeinsam ein Abenteuer erleben, das es in sich hat. Kommt mit auf eine Reise durch Meere von Wasser und Sand, ins sagenumwobene Land Aran voll unbekannter Gefahren und unentdeckter Schätze. Wir werden das in Eigenregie angefertigte Reiseabenteuer „Die Jagd nach der Wunderlampe” spielen, in welchem wir das ungewöhnliche Konzept eines Wettlaufs zweier Spielergruppen ausprobieren - auch für uns eine echte Premiere.

Eingeladen sind vor allem Rollenspielanfänger und Gelegenheitsspieler, aber auch über alte Hasen freuen wir uns sehr. Vorkenntnisse werden keine benötigt, wer jedoch schon Erfahrung hat, darf diese (sowie Ausrüstung in Form einer spielbaren Figur von höchstens Grad 6 oder eines Würfelsatzes) gerne mitbringen. Spielen werden wir nach den Regeln des deutschen Rollenspiels Midgard (vierte Edition mit geringfügigen Abwandlungen).

Kursleiter sind Freya Fleckenstein und Carsten Burgard, beide aus Freiburg im Breisgau. Freya studiert M.Sc. Informatik, nach einem Bachelor in Mathematik. Sie spielt seit etwa drei Jahren Pen & Paper Rollenspiele. Carsten promoviert in experimenteller Teilchenphysik, er spielt seit etwa zehn Jahren.

Der Kurs ist als fortlaufende Geschichte angelegt, welche sich über beide Akademiehälften zieht. Ein nachträgliches Einsteigen oder vorzeitiges Aussteigen zur Akademiehalbzeit ist aber ohne größere Probleme möglich.

24. Hardcore Musiktheorie (von Fabian Barthold)

Du spielst gerne im CdE-Orchester? Rockst ab und zu mal mit einer Band? Du liebst die fetten Brass-Einlagen einer kultigen Big Band? Und wüsstest gerne, was dahinter steckt? Dann erfährst Du hier alle Geheimnisse!

Wir werden in diesem Kurs von einfacher Intervalllehre über Akkordstrukturen und klassische Kadenzen bis hin zu schwereren Jazzharmonien versuchen, möglichst viel von klassischer und jazziger Musiktheorie zu erarbeiten. Notenkenntnisse sind hierbei allerdings genauso notwendig wie Erfahrungen mit Intervallen und dem strukturellem Aufbau von Akkorden. Dieser Kurs soll Dir den Blick für das Musikalische schärfen. Dabei wird euch Fabian dirigieren, der als lehramtsorientierter Musikstudent schon einige musiktheoretische Wunder gesehen hat.